Kunst - aehnlich aber anders.
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Kurz: Geschichte?

Ein ganzer halber Tag
- es gibt Mittagessen -

Ich gehe einen Gang entlang. Er ist blau. Wachsmalstiftblau. Die Türen sind auch blau. Die Rahmen sind orange. Es ist so ein richtig altes „Sendung mit der Maus“-orange. Die Wände sind weiß. Kalkweiß. Abgezeichnet sind Kachelsteine. Es ist so, als könnte man sie herausnehmen. Nahezu lebendig. Der Boden sieht etwas betreten aus. An der Wand ein Feuerlöscher und ein irres Bild. Damit meine ich nicht irre gut, sondern irre im Sinne von durchgedreht. Es enthält ein verdrehtes Muster und sämtliche Farben, die nicht zueinander passen. Vor der Glastür ein grauer abgelaufener Teppich. Das Mindesthaltbarkeitsdatum ist deutlich überschritten. An der Glastür sind Fingerabdrücke zu sehen. Ein grauer Rahmen umhüllt das kalte Glas liebevoll und gibt ihm Halt.


Vorbei an weiteren irren Bildern und Türen mit Griffen komme ich nun an einen Tisch. Dort befinden sich drei Stühle. Sie scheinen in keiner Beziehung zueinander zu stehen. Sie ecken auch nicht an. Sie stehen einfach nur da. Zu dritt. Und leisten dem alleinstehenden Tisch Gesellschaft. „Schön“, denke ich mir, während ich aus meinen Gedankengängen herausgerissen werde. Die nächste Glastür. Sie blendet. Eigentlich blendet sie gar nicht. Es ist die Sonne, die hindurch scheint. Sie blendet mich. Zum Glück naht der rettende Knick im Gang. Ich biege nach rechts ab. Alles hat einmal ein Ende. Auch dieser Gang. Aber er endet nicht wirklich. Der Boden verändert sich. Er wird so hölzern. Ein genauerer Blick jedoch enttarnt das PVC. Es hat einfach nur eine Holzoptik. „Geschickt gemacht“, denke ich. Und immerhin noch besser als der wachsmalstiftblaue Boden. Ich sehe schwarze Vögel, die an der Scheibe kleben. Große und kleine. Mal sind sie nach rechts geneigt, mal nach links. Aber sie fliegen nicht. Sie kleben nur. Das macht mich traurig. Ich mag fliegende Vögel. Und vor allem lebende!


Die Hecke hat auch schon länger keine Schere mehr gesehen. Überall schauen vereinzelt Äste hinaus, die ganz unverschämt ihren eigenen Weg wachsen. Wo ist sie nur, unsere Gesellschaft, die immer alles gleich anpassen will? Diese Äste haben sie übersehen. Wobei es auch Schade wäre, der Hecke das letzte Stück Leben zu nehmen. Nur oben wächst etwas grün heraus. Der Rest ist braun. Braun und vertrocknet. Die Pflanzen, die hier im Gang stehen, sind wesentlich grüner. Sie wirken so lebendig im Gegensatz zu dem Übrigen hier.


Déjà-vu? Ich sehe einen Tisch. Um ihn herum versammeln sich drei Stühle. Es sieht fast aus wie eine Besprechung. Näher betrachtet allerdings sehe ich, wie sich zwei Stuhlbeine aneinander reiben. Unterm Tisch, versteckt, heimlich, still und leise. Ich glaube, sie wollen allein sein. Ich respektiere das und gebe ihnen ihre Privatsphäre.


Ich habe genug gesehen und biege in einen Raum mit einer weiteren Glastür ab. Sie steht offen. Hier erwarten mich noch mehr Tische. Sie sind viel größer als ihre Artgenossen draußen auf dem Gang. Um sie herum noch mehr Stühle. Die wiederum sind gleichgroß. Und auch hier: wenn man ganz genau hinschaut, schmiegt sich das ein oder andere Bein an das seines Nachbarn. Ich möchte nicht, dass sie sich dabei ertappt fühlen und setze mich rücksichtsvoll auf einen Sessel im Hintergrund. Der Wagen rollt an. Es klimpert, klirrt und dampft. Der halbe Tag ist geschafft - es gibt Mittagessen.  

Ein ganzer halber Tag

-ich gehe weiter-

 

Ich gehe einen Gang entlang. Hinaus aus dem Raum mit den vielen Essensgerüchen, eher weniger denn mehr angenehm, biege ich nach links ab. Rechts stehen noch die Containerwagen, in denen sich das hochgestapelte Essen befindet. Massenware. Alles ohne Gewürz. Wo ist sie hin - die Würze im Leben? Was ist es, das das Leben lebenswert macht?

 

Vorbei an indisch aussehenden Bildern mit faltigen Menschen und ebenso faltigen Elefanten komme ich an einem Feuerlöscher vorbei. Er schaut mich an, durch durchsichtiges Glas hindurch. Er möchte nicht berührt werden. Zumindest nicht ohne ersichtlichen Grund. Er ist abgesichert und gleichzeitig strahlt er auch Sicherheit aus, indem er einfach nur so da steht. Er strahlt eine unfassbare Ruhe aus. Ich lasse ihn weiter strahlen.

 

Ich sehe ein Schild mit der Aufschrift „Flur“. „Da wäre ich so nicht drauf gekommen“, denke ich mir. Ein Schild völlig ohne Tür. Flur. Das lässt mich nachdenken. Tiere. Ganz viele Tiere. An der Wand. Hinter Glas. In einem Rahmen. Wilde Tiere. Freie Tiere. Gestreifte Tiere.

 

Hinter einer weiteren Glastür verbirgt sich ein Fahrrad. Ein Stepper leistet ihm Gesellschaft. Sie stehen nebeneinander und doch strahlen sie keine Zugehörigkeit aus. Wir haben verlernt allein zu sein. Wir scheinen Gesellschaft zu brauchen, um von uns abzulenken. Um Stepper und Fahrrad herum versammeln sich Bälle. 7 Stück sind es an der Zahl. Sie geben dem ganzen Spektakel einen Rahmen. Sie scheinen mehr Randgeschehen zu sein. Mitläufer. Aber auch die muss es geben.

 

Ein weiterer Raum: „Versorgung/Entsorgung“. Ein weiterer Hinweis auf unsere heutige Gesellschaft? Wie nahe diese zwei Dinge doch beieinander liegen. Versorgung und Entsorgung. Jemand oder etwas wird im einen Moment noch ver-sorgt. Für ihn wird
ge-sorgt. Im nächsten Moment wird er ent-sorgt. Für ihn wird nicht mehr Sorge getragen. So einfach geht das.

 

Keine 10 Meter weiter hängt ein Defibrillator. Für alle Fälle. Ich frage mich, ob es so einen Fall schon gegeben hat und wundere mich gleichzeitig, dass ein paar Meter weiter der nächste hängt. Man weiß ja nie. Da ist es wieder: das Sicherheitsdenken. Dennoch ist Sicherheit nur eine Illusion. Trotz Garantieschein keine Garantie.

Sie ist tot
 

Das Schloss ist kaputt. Diesmal für immer. "Sie ist tot" hallt es in meinen Gedankengängen. Für sie ist es zu spät. Und niemand hat etwas mitbekommen. Wie konnte so etwas passieren? In einem Haus mit mehreren Bewohnern, die sich eigentlich auch kennen. Die zumindest Tür an Tür wohnen.

 

Ich war am telefonieren und zwängte mich auf den viel zu engen Balkon. Meine Entscheidung war gefallen. Beides ging nicht. Also wollte ich zurück. Was sollte ich auch da? Ich hatte mich vor Jahren schon verabschiedet. Ich legte das Telefon hin und zwängte mich zurück in die Wohnung. Ein Nachbar war mir behilflich. Er sperrte hinter mir die Tür zu und hing ein dickes Schloss an die Tür. Die war also sicher. Da wollte ich eh nicht mehr hin. Ich wollte weg.

 

Ich ging in Richtung Wohnungstür und bemerkte, dass wieder einmal das Schloss kaputt war. Es wurde zerstört. Die Tür hatte schon häufiger was abbekommen. Plötzlich war sie nicht mehr verschließbar und für jeden zugänglich. Dann aber kam wieder ein stabiles Schloss dran. Es war gerade erst wieder wie neu. Und nun ist es wieder kaputt. Eingetreten. Sie geht nicht mehr abzuschließen.

 

„Eine Frau wurde umgebracht“ sagt mir ein Mann fast im Vorbeigehen. Er schaut durch einen Türschlitz von der anderen Seite zu mir rüber. Ich bin entsetzt und schaue eine andere Nachbarin fragend an. Sie hat es wohl auch nicht mitbekommen.


Ich wollte umgehend ein neues Schloss für die Tür. Für sie ist es allerdings zu spät. Sie ist tot. Und niemand hat es bemerkt.

Körper-sprach-e

„Mir geht es gut“, sagte die tickende Zeitbombe und lachte.
Es war nicht dieses typische Lachen wie man es kennt, wenn jemand etwas Witziges erzählt. Es war mehr ein hinterhältiges Lachen. Ja, nahezu dreckig.

Es ging voran. Trotz einiger Unstimmigkeiten und Neuorientierung  in vielen Bereichen ging es voran. Ja, sogar besser als je zuvor. Meine Lust, mich neu zu erfinden, stieg ins Unermessliche. Doch es ist noch etwas da, was mich immer wieder in die Knie zwingt. Oder etwa auf den Boden der Tatsachen?!
Nun, was passiert da? Es fühlt sich an wie ein Wirbel. Scheinbar muss sich auch mein Körper neu sortieren. Aber muss er es mir denn so deutlich mitteilen?

„Ich muss doch arbeiten, Körper! Was machst du denn mit mir? Was hast du vor? Ich dachte, es geht uns gut?!“, frage ich mich. Ich bin damit beschäftigt zu atmen und versuche Tastatur und Maus gleichzeitig zu bedienen, während ich meinen Bauch festhalte.
„Aber es ging uns doch so gut?“, schaue ich meinen Körper fragend an.
Ok, Freitag... am Freitag musste ich mal wieder zum Schmerzmittel greifen. Und Sonntag... gut, Sonntag wollte ich halt den ganzen Tag nur schlafen. Aber davon mal abgesehen ging es mir doch gut! Immerhin 2,5 Tage am Stück!

„Mir egal“, sagte die Harnblase und zog sich zusammen wie eine Ziehharmonika. Schulterzuckend windete sich der Darm und drehte sich ein paar Mal um seine eigene Achse. „Mir ist schlecht, bitte einigt euch!“, flehte der Magen von oben herab. „Ohne mich!“, drehte sich der rechte Eierstock nahezu eingeschnappt weg. Der linke Eierstock fällt vor Schuldgefühlen in Ohnmacht. „Mit mir kann man´s ja machen.“, seufzte die depressive Verstimmung und zog sich in ihre eigene Welt zurück. Während die Gebärmutter versucht sich selbst zu gebären, schnappt der linke Eierstock verzweifelt nach Luft. Der rechte Eierstock verharrt stur in seiner verbohrten Position. Die Verwachsungen reiben sich aneinander. Man würde meinen, sie zeigen dadurch ihre Zugehörigkeit, ihren Zusammenhalt. Die Gebärmutter versucht alle zu vereinen, alles unter einen Hut zu bekommen, aber sie schafft es nicht. Sie hat es versucht. Niemand kann ihr vorwerfen, sie hätte es nicht versucht. Sie blutet innerlich leise vor sich hin. Sie schafft neue Kreationen. Auf ihre eigene Art und Weise.

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© Claudia Christina Ott